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Fair Trade-Projekt der HLW/FSW Tulln

Buchcover von "Made in Vietnam"
Buchcover von "Made in Vietnam"

Die Klassen F 1B und HL IA besuchten im Rahmen eines Fächer übergreifenden Projektes Deutsch und r.k. Religion mit Mag.a Henriette Schmiedl-Riegler, Mag.a Maria Altmann-Heidegger und Mag.a Martha Vogl den Tullner Weltladen in der Bahnhofstraße 19, 3430 Tulln.

Im Deutschunterricht lasen die SchülerInnen das sehr empfehlenswerte und spannende Buch: „Made in Vietnam“ von Carolin Philipps, das vom Leben eines 14-jährigen vietnamesischen Mädchens handelt. Sie muss in einer Schuhfabrik arbeiten, um das Leben ihrer eigenen Familie und der ihres Onkels, der von Napalmbomben verletzt worden war, mitzufinanzieren. Später trifft dieses Schicksal auch ihre kleinere Schwester, weil die Eltern keine Arbeit finden. Lan muss alles erdulden und unbezahlt viele Überstunden machen, wird hart bestraft, wenn sie vor Müdigkeit einschläft oder Fehler in der Schuhproduktion macht. Sie arbeitet für einen Hungerlohn und schlechtes Essen, hat gesundheitliche Probleme vom Gift der Materialien, aus denen die Schuhe gefertigt werden. Ihre Familie kann sie nur zwei Mal im Jahr besuchen. Eines Tages will ein Aufseher eine Arbeitskollegin mittels einer Giftschlange bestrafen, diese entwischt aber und Lan entpuppt sich als Schlangenkennerin. Bei der Suche nach der Schlange fällt sie dem Vater des Fabrikbesitzers auf, der sie in seinem Haus aufnimmt und sie als seine Schlangenhüterin einstellt.
Eine Inspektion der Schuhfabrik ist angesagt, eine „Blaue Plakette“ soll vergeben werden, und mit ihr große Auslandsaufträge. Der Fabrikbesitzer unternimmt alles, um diese Plakette zu erwerben. So spielt er dem Inspektor und dessen Familie gerechte und sichere Arbeitsplätze vor und versucht, die ausländischen Gäste zu blenden. Aber Lan gelingt es, mit der Tochter des Inspektors Kontakt aufzunehmen und die reale brutale Situation aufzuzeigen.
Der Schluss des Buches ist offen. Vielleicht gelingt es Lan und ihren ArbeitskollegInnen wirklich, mit ausländischer Hilfe Verbesserungen durchzusetzen?

Eine mögliche Form der Verbesserungen ist der faire Handel. Im Religionsunterricht erarbeiteten die SchülerInnen die Geschichte, die Grundsätze und die Kriterien des fairen Handels, ebenso die Standards für das Fair-Trade-Gütesiegel:

Für die ProduzentInnen müssen gerechte Löhne und ebensolche Arbeitsbedingungen gesichert sein, die ein menschenwürdiges Leben und eine gute Zukunft ermöglichen. Die kleinbäuerlichen Strukturen werden gefördert, der direkte Handel bietet Ursprungsgarantie und kontrollierten Warenfluss. Angebaut und geerntet wird genunverändert, naturnah und nachhaltig. Bioanbau wird durch Prämien gefördert. Und es gibt keinerlei ausbeuterische Kinderarbeit. Das „Fair-Trade-Gütesiegel“ wird von dem internationalen Zertifizierungsunternehmen „FLO-Cert“ vergeben.

Der Besuch des Tullner Weltladens ermöglichte den SchülerInnen einen Einblick in die aktuelle Welt des fairen Handels. In Österreich gibt es 88 Weltläden, europaweit ca. 2700. Der Tullner Weltladen wird vom Verein „ONE WORLD. Faires Handeln und Teilen Tulln“ getragen und feierte im November sein fünfjähriges Bestehen. Die meisten Arbeitsstunden werden ehrenamtlich und gratis vom Ladenteam geleistet. Es ist eine Non-Profit-Organisation (NGO) ohne wirtschaftliches Eigeninteresse.

Jeder Weltladen bietet eine große Auswahl an fair gehandelten Produkten: Kaffee, Tee, Kakao, Honig, Rohrzucker, Schokolade, Gewürze, Reis, Orangensaft, Trockenfrüchte, sowie Kunsthandwerk aus aller Welt, Schmuck, Lederprodukte und Textilien. Außerhalb des Weltladens gibt es noch weitere Verkaufsstände, die von diversen Bazargruppen-BetreuerInnen organisiert werden. An der HLW Tulln führt jeweils eine Klasse im Rahmen des r.k. Religionsunterrichtes einen FAIR-TRADE-Stand am Tag der offenen Tür durch.

Fast alles, was wir einkaufen, muss von anderen Menschen produziert werden. Wenn wir darauf achten, fair gehandelte Produkte zu kaufen, dann tragen wir zu einer faireren und für alle Menschen besseren Welt bei.

Mag.a Martha Vogl